Filmkritik: „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ – Was wäre wenn …

Die folgende Filmkritik wird präsentiert von:

Einleitung:

… ein Außerirdischer (ein im Fachjargon so genannter Extraterrestrischer) auf die Erde kommen würde um mit uns über unser Überleben zu verhandeln? Das die menschliche Spezies dabei ist sich selbst zu vernichten ist schon seit langem bekannt und man kann fast konstatieren: Populär, nicht nur unter Science-Fiction-Autoren und Fans. Diese Sci-Fi-Idee wurde jedenfalls schon öfters filmisch verwendet, umgesetzt und inszeniert (z.B. in verschiedenen Variationen in den Filmen: „I, Robot“, „Der Omega Mann“, „12 Monkeys“ und kürzlich auch in „Eden Log“ sowie ebenso – wenn man so will – auch in Zombie-Action Movies wie „Resident Evil“ und „28 Days Later“). Auch im Remake des schon 1951 (!) verfilmten Science-Fiction-Dramas „The Day, the Earth stood still“ ist die Rasse der Menschen auf dem Planeten Erde eine selbstzerstörerische Spezies, die kurz vor dem großen Untergang steht. Das ist den Menschen aber noch nicht vollkommen bewusst, doch verschiedene extraterrestrische Arten wissen davon und müssen nun den Planeten Erde retten! Das geht aber im Grunde genommen nur, wenn dafür die Menschenrasse ins Gras beißt …

Inhaltsangabe:

Die renommierte Wissenschaftlerin Dr. Helen Benson (Jennifer Connelly) trifft auf den Außerirdischen Klaatu (Keanu Reeves), der durchs Weltall gereist ist, um die Menschheit vor einer globalen Katastrophe zu warnen. Doch die Mächtigen der Welt sehen in dem Außerirdischen einen Feind und verweigern Klaatu die Möglichkeit, mit Ihnen zu sprechen. Helen und ihr Stiefsohn Jacob (Jaden Smith – Sohn von Will Smith!) entdecken schnell, welche tödlichen Konsequenzen sich aus Klaatus Anspruch, „Ein Freund der Welt zu sein“ ergeben könnten. Nun muss Helen einen Weg finden, das Wesen, das geschickt wurde, um die Menschen zu zerstören, davon zu überzeugen, dass es sich durchaus lohnt, die Bewohner der Erde zu schonen. Aber vielleicht sind alle Mühen schon umsonst, denn der Zerstörungsprozess der Erde hat bereits begonnen … (Quelle: http://www.dtaddes.de/ –> Die offizielle Seite zum Film).

Kritik:

Während es im Original-Film von 1951 eher weniger um die Spezialeffekte und mehr um die Story an sich ging, die damals noch viele Bezüge zur gegenwärtigen Politik des Amerikas der 50er und 60er Jahre aufwies, geht es nun in der Neuverfilmung mehr um „Effekthascherei“ im positiven Sinne. Denn ansehnlich sind die Effekte allemal! Auf der großen Leinwand weiß das Spektakel sicherlich allein schon dadurch zu begeistern. Während einem am Anfang die Optik fast etwas billig (durch die offensichtlichen CGI-Effekte) aus sieht, steigert diese sich aber poe a poe im weiteren Filmverlauf immer mehr zu einem bombastischen und obendrein auch etwas spannenden Sci-Fi-Spektakel heran. Allerdings klingt das zu goldgelb und bekanntlich ist ja nicht alles Gold was glänzt, denn farblich hat „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ leider zu wenig zu bieten … mehr Farbenprächtigkeit hätte gut getan! Denn zu oft erscheint alles Farbliche im Film in triste Grautöne getaucht, was auf Dauer etwas nervig ist.

Die Handlung ist mehr oder weniger solide und durchschnittlich gut bzw. ausreichend aufgebaut und weicht mehrmals stark vom Original ab, was der Qualität der Story aber keinen Abbruch tut. Man kapiert schnell alles und kommt leicht mit, sie ist also wenig komplex und kompliziert, trotzdem aber originell und außerdem reicht sie für die Zwecke des Films völlig aus, der nicht den Anspruch hat ein neues Meisterwerk bzw. ein Meilenstein der Sci-Fi-Kinogeschichte zu sein oder zu werden. Deshalb gibt es hier nicht viel dran (negativ konnotiert) zu kritisieren – eher ganz im Gegenteil! Das die Regierung mal wieder alles falsch macht, was man nur falsch machen kann und das dadurch im Plot noch so etwas wie eine vehemente politische Kritik verankert ist, macht den Film nur noch sympathischer.

Die schauspielerischen Leistungen bewegen sich ebenso sehr solide im oberen Mittelmaß: Während Keanu Reeves als stoischer Außerirdischer daher kommt, nur das Nötigste sagt und ansonsten viel beobachtet, emotionslos und mit Cleverness agiert, bei dessen Figur der Zuschauer immer nicht so richtig weiß, woran er ist und was er als nächstes tun wird und die somit eine gewisse Undurchschaubarkeit besitzt, handelt die sehr hübsch anzusehende Jennifer Connelly (vor allem die Augen sind fantastisch!) emotional, menschlicher und mit viel Einsatz. Beide Rollen müssen für die Profi-Darsteller allerdings ein Klacks gewesen sein, denn all zu viel Schweres an Schauspielkunst ist von den beiden nicht verlangt worden. Alle anderen Darsteller spielen ebenso nicht überragend (das Drehbuch und so weiter hätte ihnen auch keine Chance dazu gelassen, sich mit viel Raum entfalten zu können), aber genügend und den jeweiligen Rollen angemessen. Die Charakterisierung der Charaktere fällt dabei dünn aus, was dem Drehbuch geschuldet ist, was aber auch keine große Rolle spielt, denn „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ ist kein Charakterdrama, in dem es darum geht, besonders facettenreiche und ausgefeilte Charaktere zu entwerfen.

Ein leicht kritikwürdiges Problem der Handlung ist auf jeden Fall das Ende und die Charakterwandlung des Extraterrestrischen. Hier wäre weniger Mal nicht mehr gewesen, sondern es hätte ein besseres oder einschneidenderes Erlebnis für Klatuu geben können, um sich letztlich um zu entscheiden … Neben ein paar anderen Ungereimtheiten, die aber wenig stören kann der Blockbuster aber auf einer dreiviertel Linie überzeugen (im Gegensatz zu der Redewendung: „auf ganzer Linie“) und wird vor allem Sci-Fi-Fans begeistern: Neben einem tollen Raumschiff des Extraterrestrischen gibt es einen übermächtig agierenden Kampfroboter der ihn beschützt, mysteriöse Sphären und einem heftigen Wirbelsturm, der alles vernichten soll zu bestaunen, bevor der Film dann etwas zu abrupt endet.

Fazit:

„Der Tag, an dem die Erde stillstand“ ist ein sehr solider Sci-Fi-Actioner mit vielerlei Qualitäten, welche die Herzen von Science-Fiction-Fans höher schlagen lassen werden. Es ist aber leicht imaginierbar, das es auch Kinobesucher oder DVD-Gucker geben wird, die alles filmisch Gesehene leicht als Unsinn, Nonsens und Stuss abtun werden und dies teilweise berechtigterweise auch können und dürfen! An diesen Typus sei aber appelliert, das der Unterhaltungswert eines solchen Blockbusters für die breite Masse nicht vergessen werden darf, auch wenn die Intellektuellen sich von so etwas vehement abgrenzen wollen. Im Großen und Ganzen überzeugt der Film durch die tollen Spezialeffekte, das Product-Placement (kleiner Scherz am Rande), durch die philosophische Message am Ende (und sowieso durch einige durchaus integere, richtige und wichtige kritische Wahrheiten – die im Film postuliert werden, z.B. zur Philosophie über diesen Superorganismus Menschheit – oder sind wir mehr so ein Gewimmel? Wie Peter Sloterdijk sagen würde…), die ansehnlichen Schauspieler und die Ausstattung und Inszenierung.

Bewertung: 7/10 Punkte

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